Lindy Hop

Lindy Hop: einer der ersten Swingtänze aus Harlem, New York

„Lindy hops off to Paris“ oder was Charles Lindbergh mit dem Savoy Ballroom zu tun hat

Für viele ist er der Inbegriff aller Swingtänze: der Lindy Hop. Sein bekanntester Urvater? Zweifelsohne Frankie Manning. Denn er gilt als Erfinder der sogenannten Airsteps. Der Tanz entstand in den 1920er Jahren in den großen Ballsälen New Yorks zur Musik der Big Bands, die die Jazzmusik zur orchestralen Swingmusik weiterentwickelten. Woher aber kommt der Name Lindy Hop?

Hierzu gibt es mehrere Geschichten, hier ist eine davon: mehrere Zeitungen brachten 1927 klingende Schlagzeilen rund um Charles Lindberghs Versuch zum ersten Mal per Flugzeug den Atlantik zu überqueren. Sie lauten „Lindy hops off for Paris“, oder „Lindbergh does it: flies across the Atlantik in 33 hours“ als er nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen glücklich in Paris ankommt. Als ein Journalist eines Abends einen Tänzer in Harlems Savoy Ballroom befragte, was er da genau tanzte, entgegnetet dieser: “Den Lindbergh Hop“. Dieser Tänzer war anscheinend niemand geringer als „Shorty“ George Snowden. Allerdings beansprucht auch Frankie Manning genau diese Episosode für sich –  nachzulesen in seiner Biographie. Aus Lindbergh Hop wurde schließlich kurzerhand Lindy Hop. Egal, wer dem ersten aller Swingtänze tatsächlich seinen klingenden Namen verliehen hat, wir freuen uns auf jeden Fall, dass wir auch heute noch „Lindy“ tanzen.

LindyAtlantic

Vielfältige Wurzeln, viel Raum für Kreativität

Lindy Hop, entstand mit Ende der 1920er Jahre und erlebte seine Blütezeit in den 1930er Jahren. Er gilt als einer der frühesten Swingtänze. Zu den Wurzeln des Lindy Hop zählen 1920s Charleston, Balboa, Collegiate Shag, aber auch der Blues. Die Energie des Tanzes, die jazztypische Improvisation und die Offenheit für andere musikalische und tänzerische Einflüsse hat zu einem weiten Spektrum an typischen Bewegungselementen geführt, das sich bis heute weiter entwickelt und erweitert. Charakteristisch für den Lindy Hop sind die schnellen und raumgreifenden Figuren wie etwa der Swingout, oder der Lindy Turn, bei dem sich die Tänzer in zwei Takten 360 Grad umeinander drehen. Der Tanz ist sehr stark improvisiert, was viel Raum für die Interpretation und Kreativität der Tanzpartner lässt.

It’s all about Style: Savoy Style versus Hollywood Style

Die ältere Variante des Tanzes stammt aus dem Savoy Ballroom in Harlem, New York und wurde als Lindy Hop oder Savoy-Style Swing bezeichnet. Dieser Stil gilt als die ursprünglichere Variante, hat stärkere Afroamerikanische Einflüsse. Sie bounced mehr, wird tiefer in den Knien getanzt und hat etwas Geerdetes. Der Hollywood- oder Dean Collins Style gilt als Adaption des Lindy Hop durch die Weißen der Westküste, er wurde vorallem für die Filmindustrie in Hollywood getanzt. Beim Hollywood Style kam es darauf an, möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, damit wurden vermehrt Show-Elemente eingesetzt, der Tanz wurde extrovertierter und verlor mehr und mehr von seinem ursprünglichen Charakter.

Vor allem die Medien und die weiße Bevölkerung nannten den Lindy Hop auch „Jitterbug“. Die GIs brachten ihn während und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa. Hier entwickelte sich daraus unter dem Einfluss des etwas anderen Sounds der europäischen Tanzbands und der tänzerischen Fertigkeiten der europäischen Mädchen der Boogie-Woogie, für den der Hollywood Style wohl das wichtigere Vorbild war.

Das Ende der Swingära, was danach kam & das schwedische Revival

Mit Rock ’n’ Roll, der aufstrebenden Disko-Kultur und dem Niedergang der Big Bands verlor der Swing nach und nach an Beliebtheit. Reste hielten sich im East Caost und West Coast Swing in den USA, im Ceroc, LeRoc oder Roc in Frankreich und Großbritannien und im Bugg in Schweden. Der Rock’n Roll und auch der Jive, spiegeln einige der Grundelemente des Swing bis heute wieder.

Seit etwa 1985 gibt es (übrigens auch pararell mit dem argentinischen Tango und kubanischen Salsa) ein Lindy-Hop-Revival, das in Europa hauptsächlich von Schweden ausging. Dort findet auch einer der alljährlichen internationalen Swing-Höhepunkte, ein fünfwöchiges Swing-Camp im schwedischen Herräng, statt.

Alles andere als Standard

Lindy Hop ist, gerade weil es keinen “standardisierten” Schritt, kein Tanzprogramm oder nach strengen Regeln festgelegte Figuren gibt, ein Tanz der es möglich macht, dass Tänzer weltweit mit unterschiedlichsten Partnern ihrer Kreativität mittels Improvisiation freien Raum lassen. Im Tanzen selbst ensteht ein spannender Dialog. Es gibt auch keinen festgelegten Konsens der Trainer wie die Technik am Besten funktioniert. Genausowenig ist festgehalten, was die beste Methode ist, Lindy Hop zu unterrichten. Der Urtanz des Swings ist genau darauf ausgelegt, mit beliebigen Partnern improvisieren zu können. Aus diesem Pluralismus, dem Zusammentreffen unterschiedlicher Technik und unterschiedlicher Stile, entsteht sehr viel Reiz. Denn durch den Austausch im Tanzen selbst entsteht viel Neues. Kein Wunder also, dass es für “Lindy Hopper” kaum etwas Aufregenderes gibt, als ein internationalen Swing-Event zu besuchen, oder gar an einem “Lindy Exchange” in einer anderen Stadt teilzunehmen.

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