Was ist Swing?

Duke Ellington Big Band, Munich 1963 Copyright by Hans Bernhard (Schnobby) - Own work

Was ist Swing? Eine Frage mit vielen Anworten…

… zum Einen eine eigene Stilrichtung im Jazz – zum Anderen ein rythmisches Phänomen – aber auch ein Gefühl – und  dann noch eine ganze Familie an Tänzen …

 „It don’t mean a thing – if it ain’t got that Swing!“

Swing ist das wichtigste rhythmische Merkmal des Jazz und gleichzeitig ein eigener Jazzstil, der seine Wurzeln in der Zeit der 1920er- bis 1930er-Jahre in den USA hat. Dort bildete sich aus vorangegangenen Stilrichtungen, wie dem Dixieland-  und dem Chicago Jazz eine gänzlich neue Musikrichtung heraus. Seine große Popularität erhielt der Swing definitiv aus seiner Tanzbarkeit und seinem vollen Klang.

Mit den Big Bands wurde der Swing populär

Die Verbreitung des Swing ist untrennbar mit der Entstehung der Big Band oder des Jazzorchesters verbunden, beide Namen lassen auf die Größe der Besetzung schließen. Eine klassische Big Band umfasst in der Regel 17 Musiker und einen Bandleader. Waren bis Mitte der 1920iger Jahre Musikerformationen in der Größe von Trios bis Oktetts die Regel, so stellte ab dem Ende der 1920iger Jahre die Big Band von nun an eine absolute Neuheit dar. Aus ihrer Größe folgten Änderungen in der Art des Musizierens, aber auch eine breite Palette an neuen musikalischen Möglichkeiten.

Als Inbegriff des Swings gilt auch heute noch die Big Band des Pianisten Count Basie. Aber auch Duke Ellington, Benny Goodman, sowie Tommy und Jimmy Dorsey, Artie Shaw, Lionel Hamton, sowie Chick Webb mit Ella Fitzgerald zählen zu den bekanntesten und beliebtesten Big Band Protagonisten des Swing.

Was passiert musikalisch? In einem Satz: Ein stetiger Puls trifft auf synkopierte Triolen Achtel

Jeder der Swing hört, weiss dass es Swing ist, aber ihn zu erklären scheint fast unmöglich. Auch Musiker, die sich tagtäglich damit auseinandersetzen fällt dies schwer. Was passiert also rhythmisch und musikalisch?

Beim Swing trifft ein gefühlter Puls – das sind die Grundschläge in jeder Taktart – auf kleinste rythmische Abweichungen der Einsätze der Instrumente. Damit entsteht ein durchgängiges Offbeat-Spiel von ganzen Melodiepassagen, ein federnder, schwebender Rhythmus. Oftmals wird ein Gefühl von musikalischer Leichtigkeit, ein sich Treibenlassen empfunden. Der zugrunde liegende Puls fühlt sich an, als dränge er ein wenig nach vorne, tatsächlich wird er aber nicht schneller.

Eine absolute Grundlage des Swing ist das Triolen-Feeling: eine Viertelnote wird nicht in zwei gleich lange Achtelnoten unterteilt, sondern in drei gleich lange Noten, daher auch der Name Triolen. Von diesen wird aber nur die erste und dritte angeschlagen, das heißt die erste Note ist jeweils länger als die zweite (lang-kurz-lang-kurz). Metrisch sind diese swing-eights dann ungefähr identisch mit einer Achteltriole. Allerdings wird man kaum eine Swingaufnahme finden, auf der sie tatsächlich identisch sind, da sich die ternären Achtel auch durchaus in Richtung punktierte Achtel-Sechzehntel verschieben können.

Tanzmusik und mehr: der Swing wird immer populärer

Im Laufe der Zeit bildete der Swing einen Doppelcharakter aus. So wurde Swing zum einen als populäre Tanzmusik von Tanzbands wie Larry Clinton, Guy Lombardo oder Tommy Tucker genutzt, andererseits fanden reine Zuhörerevents statt. Seinen Triumphzug feierte der Swing jedoch als Tanzmusik, denn damit erlangte  er eine noch nie da gewesene Popularität.

Rundfunk und Radio verbreiten den Swing noch weiter

Maßgeblichen Einfluss auf den Siegeszug des Swing hatte der Einsatz des Rundfunks, zunächst in den USA, wo eine zwischen Dezember 1934 und Mai 1935 als Werbekampagne von der National Biscuit Company organisierte Radio-Show ausgestrahlt wurde. Die Radio Show brachte drei Bands unterschiedlicher Stilrichtung, darunter auch das Goodman Orchestra.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg holten ganz speziell Deutschland und Österreich auf, wo der Jazz während der Zeit des Dritten Reiches als „entartete Musik“ im Rundfunk verboten gewesen war, und die Anhänger der Swingjugend mit schweren Strafen zu rechnen hatten. Übermittler dieser neuen Musikrichtung waren hauptsächlich die amerikanischen Truppen in Europa.

Shake a leg: Die Swingtänze und ihre Wurzeln

Swing zog insbesondere die Jugend der damaligen Zeit in seinen Bann, so dass sich eine Reihe wilder Tanzmoden entwickelten. Wenn wir heute von Swing als Tanz sprechen, bezeichnet er eigentlich eine ganze Familie von Tänzen, die Ende der 1920iger Jahre in den USA entstanden sind. Als Blütezeit sind hierfür nach wie vor die 1930er und 1940er Jahre zu sehen.

Der bekannteste Tanz aus der Swingfamilie ist zweifelsfrei der Lindy Hop, oder Jitterbug. Zu den Wurzeln des Lindy Hop zählen der 1920s Charleston, Balboa, Collegiate Shag aber auch Blues. Aus ihm entstanden nach und nach East Coast Swing, West Coast Swing, Jive, Boogie-Woogie und später der Rock’n’Roll.

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