Swingout, Swingout, Swingout

Immer wIEDER SWINGOUT, ABER WARUM EIGENTLICH?

In Klassen und Workshops verbringen wir mehr Zeit mit dem Swingout als mit jeder anderen Figur, wir zerlegen ihn stärker, schauen uns genauer an, wo wir bei welchem Count sein sollen, auf welchem Fuß unser Gewicht ist (und wie viel), wann wir uns wie drehen (und um wie viel Grad), wann wir uns im Raum bewegen (und wie weit) etc.  Aber warum ist das so?

Der Swingout ist die zentrale Figur im Lindy Hop und das Fundament für viele andere Figuren (Inside und Outside Turn, Texas Tommy etc.), er vereint in sich so viele technische Details (Stretch, Counter Balance, Connection, Posture, Frame etc.) die alle passen müssen, damit er richtig funktioniert und sich so anfühlt, wie er sich anfühlen soll: Schwungvoll, mit der perfekten Mischung aus Beschleunigung & Verlangsamung, aber fließend und weich. Wie das so oft erwähnte Gummiband, das gerade stark genug gespannt wird, um Schwung zu erzeugen, aber nicht so stark, dass es vom Finger schnalzen oder reißen kann.

Es gibt so viele verschiede Seiten, die man abseits der Schritte beleuchten kann: Stretch und Release, Nähe und Distanz, potentielle und kinetische Energie etc. und jede dieser Sichtweisen eröffnet uns ein weiteres Fenster auf das wunderbare Gesamtbild, das einen guten Swingout ausmacht. 
Mit all seinen Variationen, der Möglichkeit, Breaks an verschiedenen Stellen einzubauen, im letzten Teil die Richtung zu ändern, all den Footwork Variations, die auf der Stelle, gerade oder mit Rotation (aus)geführt werden können, stellt der Swingout auch im Hinblick auf die Techniken des Führens und Folgens die Quintessenz des Lindy Hops dar. 

Das ist einer der Gründe, warum wir ihm so oft begegnen – wer die notwendigen Techniken für den Swingout und seine Variationen erlernt, hat bei anderen Figuren vergleichsweise leichtes Spiel. 

Und abseits der Technik?

Ein Swingout fühlt sich wunderbar an – aber eben nur, wenn er funktioniert. Funktioniert er nicht, fühlt er sich für Follows oft an, als hätte man sie in der Kurve stehen gelassen oder als wären sie aus einem sich zu schnell drehenden Karussell katapultiert worden – und Leads fühlen sich oft, als müssten sie versuchen, mit angezogener Handbremse loszufahren oder ihren Follow um eine unsichtbare Ecke wuchten. Einer der Gründe, warum Trainer:innen den Swingout in Workshops und Kursen immer wieder durchnehmen ist, dass sie allen Teilnehmer:innen die Möglichkeit geben wollen, das wunderbare Gefühl eines guten Swingouts zu erleben – aber das ist eben nur möglich, wenn alle Teilnehmer:innen daran arbeiten, ihren Swingout zu verbessern. Und solange er nicht klappt, können sie nur erahnen, wie er sich anfühlen kann, wenn er funktioniert. 

Wenn ihr also das nächste Mal zu Beginn eines Kurses oder eines Workshops hört, dass es (wieder einmal) um den Swingout geht, ärgert euch nicht, dass ihr (schon wieder) etwas macht, das ihr bereits (vermeintlich) könnt – freut euch darauf, dass ihr die Gelegenheit habt, an dem Teil in eurem Swingout zu arbeiten, der noch besser funktionieren könnte. Bleibt offen, positiv und nützt die Chance, euch dem perfekten Swingout einen kleinen Schritt zu nähern. 

Irgendwann macht es klick und ab dann wird die Ankündigung „Swingout“ in einem Workshop eine ehrlich positive Reaktion in euch hervorrufen, zu der ihr euch nicht erst überreden müsst.  

Nach oben scrollen